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Beschreibung:

korfball.jpgKorfball ist ein Mannschaftsspiel, bei der die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie das faire Zusammenspiel die wichtigsten Grundsätze für den weltweit verbreiteten und olympisch anerkannten Mannschaftssport sind. Da die Spielregel jede Unfairness verbietet, ist es auch außerhalb des Wettkampfes gut als Familien-, Freizeit- und Schulsport geeignet. Es werden ein hohes Maß an Ball- und Bewegungstechnik sowie an Teamgeist gefordert.Korfball wird sowohl auf dem Feld als auch in der Halle gespielt. Die Spieldauer beträgt 2 x 30 Minuten. Die Mannschaften, bestehend aus jeweils vier Frauen und vier Männern, versuchen den Ball (Fußball der Größe 5) in den gegnerischen Korb von 3,50 m Höhe zu werfen.

Quelle: DTB Online

Pädagogische Aspekte des Korfballsports

 
Alexandra Janssen
Diplom Pädagogin

Einleitung

Korfball ist die Antwort auf die in Pädagogenkreisen allseits bekannte Problemsituation, Mädchen und Jungen – möglichst noch im pubertären Alter – gemeinsames, gewaltfreies Sporttreiben zu ermöglichen.
Korfball wurde von einem holländischen Sportlehrer eigens unter koedukativen Gesichtspunkten entwickelt mit dem Ziel, dass Mädchen und Jungen gemeinsam und mit den gleichen Erfolgschancen eine Ballsportart betreiben.
Bis zum heutigen Zeitpunkt ist Korfball eines der populärsten Ballsportarten in den Niederlanden und wird dort auch als Wettkampfsport landesweit in zahlreichen Ligen betrieben.

In Deutschland erfuhr das Korfballspiel vor allem in den letzten Jahren durch die verstärkt auftretenden Probleme im koedukativen Unterricht insbesondere an den Grund- und weiterführenden Schulen besondere Aufmerksamkeit.

1. Koedukation im Schul- und Vereinssport – Vision oder Wirklichkeit?

Unter dem Aspekt „Koedukation“ wurden im Vereins- und Schulsport viele Experimente gemacht, die letztlich nach vielen Erfahrungsberichten von Mädchen und Frauen zu Lasten des Selbstbewusstseins und der Persönlichkeitsentwicklung sowie der sportlich initiierten motorischen Förderung der weiblichen Sporttreibenden ging. Nicht viele Mädchen und Frauen können über ihre Sportstunde in der Schule, wenn sie gemeinsam mit Jungen unterrichtet wurden, Positives berichten. Aber auch objektive wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass beim gemeinsamen Sportunterricht z.B. die männlichen Schüler wesentlich mehr Aufmerksamkeit erhielten als die weiblichen Pendants (ohne das es den Lehrern bewusst war). Somit sahen gerade in letzter Zeit bildungspolitische Gremien die Koedukation als weitgehend gescheitert an, während man auf vereinspolitischer Ebene dazu überging, das geschlechtsspezifische Angebot zu erweitern, weil alternative integrative Modelle – wie z.B. das Korfballspiel – nicht populär genug waren.

Was aber kann das Korfballspiel leisten?
Warum ist es hier möglich, dass Mädchen und Jungen gemeinsam Sport treiben, kontinuierlich über Jahre und Jahrzehnte hinweg, auch in der sensiblen Zeit der Pubertät, wo die meisten Mädchen schon dem Vereinssport den Rücken gekehrt haben?

Die Erklärung liegt sicherlich in den besonderen Regeln dieser Ballsportart, die ein Repertoire an sozialen Verhaltensweisen fördert, das gewaltfreies, faires und gleichzeitig dynamisches, temporeiches Sporttreiben in gemischtgeschlechtlichen Teams erst möglich macht.

2. Koedukation, Kooperation – Korfball

•    Korfball ist eine Mannschaftssportart, in der jeweils vier Mädchen und vier Jungen bzw. 4 Frauen und 4 Männer zusammenspielen.

„Ja und? Das ist nichts Neues!“ wird jeder Sportinteressierte sagen. „Das kennt man doch auch von den Volleyball-Mixed-Mannschaften.“ Während dort aber eine in der Regel kleinere Frau schon mal einen Schmetterball über einen Männerblock schlagen muss, ist im Korfball der direkte Gegenspieler bzw. die direkte Gegenspielerin, gegen den bzw. die ich mich aufgrund des Korfball typischen individualtaktischen Spielprinzips der strengen „Manndeckung“ durchsetzen muss, immer vom gleichen Geschlecht. Das bedeutet, dass der nun einmal anatomisch bedingte körperliche Vorteil der Männer hier nicht zum Tragen kommt.

•    „Es ist verboten, aus verteidigter Position auf den Korb zu werfen“,
d.h. symbolisches blockieren des Balles durch das Entgegenstrecken eines Armes (im Abstand einer Armlänge zum Gegner) reicht aus, dem gleichgeschlechtlichen Angreifer einen Korbwurf quasi zu „verbieten“.
Damit verfügt das Korfballspiel über eine besondere faire Möglichkeit der Korbwurfverhinderung.

Aus dieser Regel ergibt es sich, dass – auch im Spiel deutlich erkennbar – sich kaum Situationen ergeben, wo weibliche Spieler mit männlichen in einem direkten Zweikampf geraten, weil die ganze Aufmerksamkeit hauptsächlich auf den gleichgeschlechtlichen Gegenspieler gerichtet  sein muss. Außerdem ist es verboten,

•    „ein Mitglied des anderen Geschlechts beim Abspiel zu behindern“.

•    Diese Regel sorgt dafür, dass die größere Reichweite und die Körperlänge der Männer auf das Passspiel einer Frau keinen Einfluss haben kann.

•    Die Korbhöhe beträgt ab der Altersklasse C (13/ 14 Jahre) 3,50m, (für jüngere Spieler 3,0m oder 2,5m).

Bei dieser Korbhöhe spielt die Körpergröße in Zusammenhang mit dem Kornerfolg keine Rolle mehr. Hier ist die Wurftechnik ausschlaggebend für den Korberfolg und die ist für beide Geschlechter gleichermaßen erlernbar.

Diese Regeln ermöglichen eine Chancengleichheit, wie sie in keiner anderen Mannschaftssportart beobachtbar ist.

Die Regeln betonen faires und gewaltfreies Spiel, wodurch jeder Körperkontakt, der den Gegenspieler behindert, untersagt ist. Diese Bedingung ist optimal, Mädchen und Frauen die Ängste vor einer gemischtgeschlechtlichen Sportart und den dynamischen – aber hier eben nicht aggressiven – Aktionen mit einem Ball zu nehmen.

Auch das Problem, „Alleinspiel“ und Einzelaktionen einiger weniger dominanter Spieler zu unterbinden, wird in der unten aufgeführten Regel aufgegriffen. Kooperation  wird dadurch zu einem Grundprinzip des Korfballspiels:

•    Es ist grundsätzlich nicht erlaubt, mehr als 1 Schritt mit dem Ball zu laufen. Auch Dribblings mit dem Ball sind verboten. Dies bedingt einen Zwang zum Zusammenspiel, zur Kooperation.

Schnelles Zupassen und ständiges Lösen vom persönlichen Gegenspieler macht das Korfballspiel sehr bewegungsintensiv. Durch die Aufteilung der Mannschaften auf zwei getrennte Spielhälften (ein Angriffsfach und ein Verteidigungsfach) mit jeweils zwei weiblichen und zwei männlichen Aktiven pro Team ergibt sich, dass der Ballführende nur 3 Anspielstationen im eigenen Fach hat. Daher ist die Kooperation der beiden Geschlechter ein absolutes Muss, um ein gemeinsames Ziel, nämlich den Korberfolg bzw. letztendlich den Sieg zu erringen.

3. Einsatz des Korfballsports in pädagogischen Handlungsfeldern

Alle oben genannten Besonderheiten des Korfballspiels liefern mehr als ausreichende Begründungen für jeden Pädagogen, Sportlehrer oder Übungsleiter, in seiner Klasse oder Gruppe dieses Spiel nicht nur auszuprobieren, sondern auch bewusst einzusetzen.

Korfball kann

•    sexistische Vorurteile abbauen

•    Vorbehalte und Ängste von Mädchen und Frauen gegenüber Ballspielen kompensieren

•    die Akzeptanz von kleineren oder schwächeren Spielern üben

•    soziale Kompetenzen, wie z.B. Rücksichtnahme, Fairness, Teamfähigkeit und Toleranz positiv verstärken

•    Vorbehalte und Ängste von Jungen gegenüber Mädchen abbauen

Korfball ist ein Mannschaftssport, der erfahrungsgemäß innerhalb einer Zeitstunde mit den wichtigsten Grundregeln in Grund- und weiterführenden Schulen, freiwilligen Schülersportarbeitsgemeinschaften, AGs sowie Sportvereinen vermittelt werden kann.

Korfball kann auch in den Varianten „Mono-Korfball“, „Street-Korfball und Beach-Korfball“, „Family-Korfball“ und „Frauen-Korfball“ gespielt werden, wobei in den ersten beiden Varianten 4 Spielerinnen schon ein Team bilden können.

Außerdem gibt es schon Ideen, das Korfballspiel in der Managerausbildung und bei Fortbildungsmaßnahmen von Teamworkern einzusetzen, um gruppendynamische Prozesse aufzudecken und zu bearbeiten.

Fazit

Korfball ist ein Ballspiel, das aus pädagogischer, sozialer und sportlicher Sicht absolut förderungswürdig ist und sportpolitisch sowie bildungspolitisch viel mehr Beachtung verdient, als ihm bisher zugestanden wird.

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