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1. Die Anfänge der Turnbewegung im Kölner Raum

Die Anfänge der Turnbewegung im Kölner Raum

Wie es dazu kam: Der erste öffentliche Deutsche Turnplatz ist in einer sehr schweren Zeit, ausgerechnet 1811, in Berlin, eröffnet worden. Die Befreiungskriege (1813-1815) haben die Entwicklung der jungen Turnbewegung nicht aufhalten können. Wie allenthalben strebte man auch im Rheinland die Errichtung von Turnplätzen an. Am 15.05.1815 öffnete in Düsseldorf eine Turnanstalt ihre Pforten. In Koblenz wurde um die gleiche Zeit die Errichtung einer solchen Anstalt vorbereitet. Im August 1816 war in Aachen ein Behelfsturnplatz fertig .... Um die Einführung des Turnens in Köln und im Kölner Raum bemühte sich damals der für Köln zuständige Oberpräsident Graf Solms-Laubach sogar persönlich .... Mit dem Wiener Kongress (1815) waren die ehemals kurkölnischen Gebiete links des

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Rheins an Preußen gefallen und die - seit der Besetzung im Jahre 1794 - französische Verwaltung durch die preußische abgelöst worden .... Graf-Solms-Laubach, der von Leibeserziehung, körperlicher Ertüchtigung, vom - Turnen -, eine gute Meinung hatte, wandte sich im Sommer 1816 wegen der Errichtung einer Turn- und Schwimmanstalt in Köln an Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) in Berlin. Da Jahn nicht reagierte, richtete Graf Solms-Laubach am 04.08.1816 einen auf den genannten Zweck abzielenden Antrag an seine vorgesetzte Behörde, das preußische Innenministerium in Berlin. Das Ministerium seinerseits gab die Anregung am 23.08.1816 an Jahn weiter. Da Jahn auch da noch nichts von sich hören ließ, mahnte das Ministerium am 10.10.1816 bei Jahn eine Antwort an. Am 22.10.1816 antwortete Jahn und empfahl für Köln einen Regierungsreferendar Jungnickel aus Frankfurt / Oder mit der Anregung, ihn nach Köln zu versetzen. Am 24.11.1816 erklärte Jungnickel - um seine Meinung befragt - sich damit einverstanden. Er bat aber, das angebotene Gehalt von 300 auf 400 Thlr. zu erhöhen, ihm die Reisekosten zu vergüten und zuvor einen zweimonatigen Aufenthalt in Berlin zu genehmigen, den er zur Vervollkommnung in der Turnkunst benutzen wolle. Den Bitten wurde entsprochen. Im Frühjahr 1817 siedelte Jungnickel - der es in den Befreiungskriegen bis zum Rittmeister gebracht und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war - nach Köln über.

 

2. Der erste Cölnische Turnplatz

Der erste, von Jahn selbst vorgeschlagene Cölnische Turnplatz

107_tvb_dokumente.jpgJahn kannte von einer Rheinreise her auch unseren Bereich. 1814 hatte er nämlich mit Ernst Moritz Arndt (1761-1860), bei dem er früher studiert hatte und mit dem er von da an befreundet war, von Koblenz aus eine Rheinreise gemacht, die sie zuerst nach Düsseldorf führte, wo er im Hause der Geheimrätin Schlosser die damalige dortige Prominenz kennenlernte.
Von da kamen sie auf einer schönen Fußwanderung durch das Bergische Land nach Remscheid-Ehringhausen, wo der sehr kontaktfreudige Jahn seinen großen Bekanntenkreis wiederum beträchtlich erweiterte. Den Düsseldorfern konnte Jahn deshalb, als sie sich einige Zeit später zwecks Einrichtung ihres Turnplatzes an ihn wandten, schreiben: „Sie sind mir so liebe Freunde geworden, dass ich schon deshalb ihnen gerne zu Gefallen wäre“.

Einen Turnlehrer hat er den Düsseldorfern benannt und einen Lageplan für einen Turnplatz zugeschickt. Ähnlich hielt er es - auf deren Bitten - auch mit den Kölnern. Schon seine Planung für diesen Cölnischen Turnplatz zeigt, was Jahn unter - Turnen - und - Turnplatz - verstand. Der von Jahn für Köln entworfene Lageplan sah - von der Straße aus gesehen - so aus: 1. Vorne mehrere Schlängel-Laufbahnen, 2. dahinter ein einfacher und ein doppelter Schwebebalken, 3. dahinter vier Recke, 4. dann ein in sechseckiger Form errichtetes, miteinander verbundenes „Reckgerüst“ und eine „Reckmaschine“ sowie zwei Barren, 5. ein Klettergerüst mit Klettertauen und Kletterleitern, 6. hinter diesem - Turngerät - Springgruben sowie eine Schreibe zum Werfen und Schießen. 7. Den Abschluss bildete eine Kegelbahn. 8. An der ganzen linken Seite des Turnplatzes vorbei führte eine „große Laufbahn“. 9. Den Kern des Platzes bildete der „Spielplatz“. Später, für die schlechtere Jahreszeit, kam zu diesem Turnplatz ein gedeckter Raum hinzu, das große Auditorium des Marzellengymnasiums.

3. Turnbetrieb unter Jungnickel

Etwas vom Turnbetrieb unter Jungnickel

Der Übungsplan sah vor: „Rekken“, „Barren“, Klettern, Schwingen, Schweben, Seilübungen, Ringen, Laufen, Springen, Werfen und Spielen. Darüber hinaus wurde auch noch gefochten, geschwommen und sehr viel gewandert .... Die Übungszeiten: Im Sommer, d.h. in der Zeit vom 31.03. bis 18.10., - mittwochs und samstags, von 4-8 nachmittags; im Winter, nachmittags von 2-5 ....

Kölner Turner mit allen erreichbaren Turnplätzen in Verbindung

Jungnickel, der in Köln bald Regierungsassessor geworden war, hat in seiner Kölner Zeit manche Turnplätze mit eingerichtet. Zu allen erreichbaren Plätzen hielt er eine gute Verbindung. Hierzu gehörten: Düsseldorf, Kleve, Siegburg, Aachen, Siegen, Gießen, Koblenz aber auch Kirchen an der Sieg, Königswinter und verschiedene Orte im Westerwald. Auf ihn ist zurückzuführen, dass selbst an der „Handlungsschule“ in Brühl und an den Elementarschulen in Königswinter und Siegburg geturnt wurde .... Ein besonders enges Verhältnis bestand zwischen „Bonn“ und „Köln“ .... Insbesondere in puncto „Vorturner-Ausbildung“ halfen, unterstützten sie sich gegenseitig ....

4. Turnfeste in Bonn

Turnfeste in Bonn

Im Zusammenhang mit einem ... „Turnfest“ ..., einer Gedenkfeier an die Völkerschlacht bei Leipzig /1813), am 18.10.1818, auf dem Drachenfels, ... bei Anwesenheit vieler auswärtiger Turner, ... kam es wegen der damit verbundenen politischen, zeitkritischen Aussprachen, Reden, Kundgebungen, zu strengeren Maßnahmen der Regierung .... Trotz eines schon für 1818 ergangenen Verbotes, ... wagten die Bonner Turner im Jahre 1819, auf dem Kreuzberg, wieder eine solche Erinnerungsfeier durchzuführen. Der bekannte Dichter Heinrich Heine - der ebenso wie Hoffmann von Fallersleben damals Bonner Burschenschafter war - wurde in die daraufhin angeordnete Untersuchung verwickelt. ... Auch E.M. Arndt wurde ein Opfer der in dieser Zeit einsetzenden allgemeinen Verfolgung .... Seines Amtes als Professor an der 1818 etablierten Bonner Universität wurde Arndt am 10.11.1820 enthoben ... Erst 1840 erhielt Arndt sein Amt wieder ....

5. Turnsperre in Preußen (1819-1842)

Turnsperre in Preußen (1819-1842)

Eins kam zum Anderen ... Jahns öffentliche Vorträge, seine Kritik an der allgemeinen Lage, ... die Geschehnisse im Zusammenhang mit dem Wartburgfest (1817), ... die Ermordung des Staatsrates von Kotzebue durch den Studenten Karl Sand ..., alles das führte schließlich zur Schließung von Turnplätzen ..., in Köln: zum Ende der turnerischen Tätigkeit Jungnickels, ... zur Verhaftung Jahns, der bis 1825 in Untersuchungs-haft blieb, dann aber - obwohl freigesprochen - außerhalb von Berlin - seinen Wohnsitz nehmen musste und ... bis Anfang der 40er Jahre unter Polizeiaufsicht blieb ...; kurz, was folgte, war in Preußen die von 1819-1842 währende „Turnsperre“.

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