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„Grünes Licht“ für die Turnbewegung

Allgemeine Lage

Wie so Vieles oder fast Alles war und ist auch die Turnbewegung ein Kind, ein Spiegelbild ihrer Zeit. Für Preußen schien mit dem Tode König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) und dem Regierungsantritt seines Sohnes (1840) Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) eine liberalere, bessere Zeit anzubrechen. Es folgte aber bald die 1848 / 49er Zeit mit ihren Revolutionswirren, der Veröffentlichung des Kommunistischen Manifestes, ... die Zeit der Frankfurter Nationalversammlung .... Schwere Rückschläge der Reaktion setzten ein. Kennzeichnend für die weitere Entwicklung: das Ringen um die Vorherrschaft in Deutschland zwischen Österreich und Preußen, der Deutsche Krieg (1866) zwischen beiden Ländern, die Konstituierung des Norddeutschen Bundes (1867), unter Ausschluss Österreichs, unter Führung Preußens.

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1. Die allgemeine turnerische Entwicklung

Diesem allgemeinen, politischen Geschehen und Werden entsprach auch die turnerische Entwicklung. 1842 wurde die Turnsperre aufgehoben, der Turnbewegung „grünes Licht“ gegeben. Turnvereine entstanden. Große Turnfeste wurden ausgerichtet, Turntage abgehalten, ja sogar vielerorts Turnverbände gegründet. Immer politischer aber wurde - mit der Zeit - schnell auch die Turnbewegung, die Verbände und die Vereine, Rückschläge blieben nicht aus.

Die Reaktion gewann wieder die Oberhand. Verfolgungen setzten ein. Von den 300 Vereinen, die 1849 bestanden, waren 1860 kaum 100 übrig geblieben. Selbst unter diesen gab es aber kaum einen, der nicht länger oder kürzer wiederholt Kraft öffentlicher Dekrete verboten, unter Polizeiaufsicht gestellt oder mit polizeilichen Auflagen bedacht worden wäre. In den 1850er Jahren war es deshalb wieder recht still. Einen Aufschwung brachte der Anfang der 1860er Jahre mit den drei Deutschen Turnfesten in Coburg (1860), Berlin (1861) und Leipzig (1863). Jedoch erst 1868 konnte - offiziell - die - Deutsche Turnerschaft (DT) gegründet werden. In der Zeit von 1860-1862 wa-Barren 1.050 neue Vereine gegründet worden. Ende 1862 wurden insgesamt 1.284 Turnvereine gezählt. Das Jahr 1864 brachte den Höhepunkt der damaligen turnerischen Bewegung. 1.934 Turnvereine bestanden zu dieser Zeit. Im folgenden Jahr setzte bereits eine Rückwärtsentwicklung ein. Selbst 1876 war der Stand von 1864 noch nicht wieder erreicht. Da erst gab es wieder 1.547 Turnvereine.

2. Die turnerische Entwicklung in dieser Zeit im Kölner Raum in den 1840er Jahren

Aus den 1840er Jahren stammt der Kölner Turnverein (KTV), die heutige Kölner Turnerschaft von 1843 e.V. (KT 43). Von einem in der Deutschen Turnbewegung wohl bekannten Manne, Karl Euler (dem Älteren, 1809-1879), der sich außer im Verein auch in Schulen und darüber hinaus auch noch als Privatturnlehrer betätigte, war der KTV am 05.11.1843 - maßgeblich - gegründet worden. Unter Eulers Leitung nahm der Verein schnell einen beachtlichen Aufschwung. Bereits 1845 ging Euler wieder von Köln weg. Die Kölner hatten aber Feuer gefangen. Fleißig wurde weiter im KTV - geturnt -, in der oben angegebenen, turnerischen Vielfalt. Schauturnen, Turnfeste, Turnfahrten wurden durchgeführt. Die durch Euler gewonnenen, guten turnerischen Verbindungen überall hin hielten die Kölner aufrecht. Schon zu ihrem 2. großen Schauturnen (1846) hatten die Kölner ... Turner von Elberfeld, Barmen und Crefeld bei sich zu Gast. Selbst besuchten sie auch oft auswärtige Turnvereine und Turnfeste. Pfingsten 1847 nahmen sie an einer zweitägigen Turnfahrt teil, die die Tgm. Bingen arrangiert hatte. Mit Turnern aus Bonn (Akademischer Turnverein), Düsseldorf und Crefeld waren sie dort zusammen. Zu einem großen Turnfest nach Heilbronn konnten die Kölner nicht. Dafür nahmen sie an dem Allgemeinen Deutschen Turnfest teil, das in der Zeit vom 31.07.-02.08.1847 in Frankfurt / Main stattfand, und zwar mit fünf Mitgliedern. Auf einem Turntag in Köln, 1847, bei dem die Vereine aus Düsseldorf, Düren, Kreuznach, Schleiden, Euskirchen, Bonn, Neuss und Trier vertreten waren, wurde der Mittelrheinische Bezirksverein mit Köln als „Vorort“ gegründet. Ein eigenes Bezirksvereinsturnfest führte der KTV in dieser Zeit in Heisterbach durch.

Auf Antrag des Neuwieder Turnvereins legte Köln als Vorort dieses Bezirksvereins in Frankfurt eine Petition vor mit der Forderung, „dass das Turnen künftig einen integrierenden Teil der Nationalerziehung bilde, dass sofort bei jeder Schulgemeinde eine Turnanstalt errichtet und unterhalten werde, gleichviel ob vom Staate oder von der Gemeinde“. Auf Veranlassung der Dortmunder Turngemeinde, die dem Mittelrheinischen Bezirksverein beigetreten war, publizierte der KTV in allen ihm erreichbaren Zeitungen, dass der Mittelrheinische Bezirksverein „die von der Verfassungsgebenden Nationalversammlung beschlossene und verkündete Reichsverfassung als zu Recht bestehend, anerkennt und mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen entschlossen ist“. Im November 1848 stellte der KTV in Köln zwei Züge der Kölner Bürgerwehr. Im Juni des gleichen Jahres hatte der Verein der Stadt Köln seine Bereitschaft erklärt, - wie vielerorts so auch in Köln - eine Turnerfeuerwehr zu bilden. Obwohl die Mehrheit der Vereinsmitglieder eine gemäßigte Linie verfolgte, wussten politische Hitzköpfe immer wieder den Verein zu politischen Aktivitäten zu bewegen. Deshalb heißt es auch in der Vereinsgeschichte des KTV für diese Zeit: Im Verein wurde es immer „politischer, je revolutionärer“; Mitte 1848 sei „die revolutionäre Strömung im Verein zum Durchbruch gekommen“. Am 28.06.1848 flog aus solchen Gründen eine Generalversammlung auf. Die Folge einer solchen politischen Haltung war, dass dem Verein von der Polizei immer wieder andere, neue Auflagen zudiktiert wurden. Dann durfte er keine Jugendlichen mehr als Mitglieder haben, nur noch Erwachsene, ein andermal hatten Turnlehrer nicht die erforderliche Lizenz. Wiederholt mussten Name und Satzung geändert werden. Innerhalb weniger Jahre musste in dieser Zeit 8 x der Vorstand neu gewählt werden .... Gebote, Verbote, Sperrungen, selbst Vereinsauflösungen waren der Grund hierfür

3. In den 1850er Jahren

Selbst in den 1850er Jahren noch bekam der Verein, der - politisch - bei der Obrigkeit nicht überall gut angeschrieben war, die Nachwirkungen dieser - gesellschaftsbezogenen - Aktivitäten zu spüren. Trotz vielerlei Behelligungen stand der Verein - durch solche Erfahrungen klüger geworden - aber auch diese wieder schweren Jahre durch. Einen Bundesgenossen hatte der KTV in dieser Zeit bald in dem 1850 gegründeten Mülheimer Turnverein, der von Anfang an, allezeit bestens geführt wurde. Beide Vereine arbeiteten freundschaftlichst zusammen und unterstützten sich gegenseitig. Beide traten dem 1858 in Düsseldorf gegründeten Rheinisch-Westfälischen Turnverband gleich nach der Gründung bei.

4. In den 1860er Jahren

Das Ende der 1850er Jahre und der Anfang der 60er Jahre brachten eine außerordentliche Belebung des turnerischen Lebens im Kölner Raum durch die Berufung von Wilhelm Angerstein (1835-1893) nach Köln.

Angerstein war ein vorzüglicher, erfahrener Turnlehrer, Turnschriftsteller und Organisator. Kaum durch den KTV nach Köln geholt (Ende 1859) wurde er tätig. In Berlin war er Schriftführer des Berliner Turnrates gewesen. Sein Bruder war der noch bekanntere Eduard Ferdinand Angerstein (1830-1896). Auf dem Verbandstag des Rheinisch-Westfälischen Turnverbandes 1860 in Mülheim-Ruhr, wurde seinem Antrag entsprechend der KTV - Vorort - des Verbandes und für 1861 die Ausrichtung des 2. Rheinisch-Westfälischen Verbandsfestes sowie des damit verbundenen Verbandstages nach Köln vergeben. Es wurde bei 1.000 Teilnehmern eine großartige Veranstaltung. Das Turnfest fand auf dem Heumarkt, der Turntag im Gürzenich statt; die Turnfahrt, an der 800 Personen teilnahmen, führte nach Brühl. In dieser Zeit gab Wilhelm Angerstein zwei Jahre lang eine Rheinisch-Westfälische Turnzeitung heraus (1860, 1861). Der nächste Verbandstag fand 1864 in Bonn statt, wozu Angerstein auch das Seinige getan hatte. Eine Reihe - Petitionen - hat Angerstein in dieser seiner Zeit in Köln (1859-1864) an das Preußische Abgeordnetenhaus gerichtet, im Auftrage des KTV wie auch des Rheinisch-Westfälischen Turnverbandes. Sie betrafen das Schwedische Turnen, die Stellung des Turnens in der Schule und ähnliches. Eine umfassende Denkschrift legte er auch der Stadt Köln vor, auf die hin schließlich - seinen Vorschlägen folgend - die große „Mauritius-Turnhalle“, am Mauritiuswall (19 fi x 20 m groß) mit daneben liegendem freien Platz für Geräteturnen, „Volksturnen“, Spiele und dergleichen erbaut und 1867 in Betrieb genommen wurde. Angerstein war ein sehr tüchtiger, aber auch in mancher Hinsicht sehr schwieriger Mann. Er war ein großartiger Fachmann, oft aber auch ein ungemein scharfer Kritiker. Die Zahl seiner Widersacher im Verein wurde immer größer. Vorstandsmitglieder legten ihre Ämter nieder.

Angerstein trat aus dem Verein aus und gründete mit anderen Vereinsmitgliedern 1862 den Turnverein „Gut Heil“, der 1863 zum Allgemeinen Turnverein wurde, aus dem dann etwas später die Fechter austraten und sich zum Turn- und Fechtclub 1865 zusammenschlossen. Davon abgesehen hatte Angerstein 1861/2 in Köln noch zwei andere Vereine aus der Taufe gehoben, eine Turngenossenschaft des Handwerkervereins und eine Turngesellschaft des Elementarlehrervereins. Für 1861 gab Angerstein die Mitgliederzahl des ersteren mit 20 und die des letzteren mit 40 Mitgliedern an. Der Umstand, dass Angerstein Mitglied des Festausschusses für das 2. Deutsche Turnfest in Berlin 1861 war, unterstreicht seine Bedeutung. Angerstein, der auch an einer Reihe Kölner Schulen als Turnlehrer tätig war, an Elementarschulen, Gymnasien und Mädchenschulen, hat vielerorts, in Köln und weit darüber hinaus, Vortuner- und Fortbildungslehrgänge für Lehrer durchgeführt. Das Turnen in Verein und Schule im ganzen Kölner Raum spiegelt seine Arbeit wider. Weil aber auch er sich zu viel politisch betätigte und - sogar - in der Rheinischen Zeitung ausgerechnet auch noch über die „Märzereignisse“ Artikel veröffentlichte, musste er in Köln seine Tätigkeit im - öffentlichen Dienst - quittieren.

Ende 1864 ging er von Köln weg, wieder zurück nach Berlin. In der damaligen Turnbewegung des Kölner-Bonner Raumes, den Turnvereinen Bonn, Siegburg, Euskirchen, Mülheim und Köln, dem KTV und ATV, finden sich überall die Spuren seiner wegweisenden Arbeit. Einer der überragenden Männer der nächsten Generation - Fritz Schroeder - hat unter Angerstein noch als Gymnasiast geturnt und von ihm viel in - seine - Zeit hinübergenommen. Wie in den 1840er Jahren, so hatten auch in den 1860er Jahren die Turner des Köln-Bonner Raumes Verbindungen zur gesamten Turnbewegung. 1860 nahmen die Kölner und Mülheimer Turner nicht am 1. Deutschen Turnfest in Coburg teil, weil sie - zur gleichen Zeit - ihr eigenes Verbandsfest in Mülheim / Ruhr besuchten. Der Mülheimer TV schickte den in Coburg versammelten Turnern ein - Telegramm -, das auch in den offiziellen Bericht über dieses Turnfest übernommen wurde. Als Angerstein 1861 beim 2. Deutschen Turnfest in Berlin war, bekam er von den Köln-Mülheimer Turnvereinen die Weisung mit, nur ja nicht das nächste Deutsche Turnfest nach Köln zu holen. 1869 trat der damalige Geschäftsführer der D.T., der spätere Vorsitzende der DT und nachmalige Geheimrat Dr. med. Goetz - nach dem der Goetz-Wandertag benannt ist -  an die Kölner Turner mit der Frage heran, ob sie nicht die Ausrichtung des nächsten, des 4. Deutschen Turnfestes, übernehmen wollten. Die Kölner - im Einvernehmen mit ihren Mülheimer Freunden - lehnten ab ...

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