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Von der Gaugründung und ihrer Vorgeschichte bis zur Teilung des Gaues

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Vorgeschichte der Gaugründung

Der bekannte „Ruf zur Sammlung“ der beiden jungen Turnerführer Kallenberg (1825-1900) und Georgi (1826-1892) hatte - 1860 - zur Abhaltung des 1. Deutschen Turnfestes in Coburg und der dann folgenden Deutschen Turnfeste geführt. Eine große Wirkung zeitigte auch ein Aufsatz von Georg Hirth (1841-1916), den dieser 1862 - es gab damals noch kein Deutsches Reich - in der Deutschen Turnzeitung (DTZ) veröffentlichte, über die Aufteilung Deutschlands und Deutsch-Österreichs, über alle staatlichen Grenzen hinweg, in 15 Turnfestbezirke, in Turnkreise, die erstaunlicher Weise sich fest überall mit den späteren staatlichen und turnerischen Grenzen deckten. Das führte zu turnerischen Zusammenschlüssen auf den verschiedenen turnerischen Ebenen sowie zu einer ersten statistischen Erhebung der deutschen Turnbewegung (01.07.1862). Die räumliche Länderweise und regionale Organisierung der Turnerschaft stand damit im Raum. - Wie allenthalben wurde nun auch im Köln-Bonner Bereich immer wieder über solche Zusammenschlüsse diskutiert, verhandelt. Den ersten, bekannten Versuch, einen „Gauverband“ zu gründen, unternahmen die Bonner Turner 1864. Die „Turngenossen“ aus Bonn, Köln, Neuwied und Siegburg konnten sich aber nicht einigen.
Der Verbandstag des Rheinischen-Westfälischen Turnverbandes in Barmen 1866 regte die Gründung von Gauen an mit der besonderen Begründung, die Vorturnerausbildung erfordere das. Auf dem Verbandstag in Aachen 1869 war davon wieder die Rede. Gefordert wurde wenigstens die Einrichtung von Versammlungen von Turnlehrern, Turnwarten und Vorturnern. Die erste derartige Versammlung, in Düsseldorf 1869, empfahl „die Einteilung des Verbandes in Gaue zur Abhaltung gemeinsamer Vorturnerkurse unter Leitung bewährter Lehrkräfte“. Der folgende Verbandstag am 19.12.1869 billigte diese Empfehlung. Ein erster Vorturnerkurs wurde am 27.03. in Krefeld durchgeführt. Gelegentlich einer Verbands-Turnfahrt zur Dechenhöhle bei Iserlohn, an der 800 - 1.000 Turner teilnahmen, wurde - ebenso wie zuvor schon in Krefeld - eingehend über die Bildung von Turngauen gesprochen. - 1871 wurde von den Vereinen Köln, Bonn, Siegburg, Mülheim / Ruhr ein „Rhein-Sieg-Gau“ gebildet. Vorturnerstunden fanden statt. Der 2. Vorturnertag am 13.08.1871 in Dortmund be-schloss, wenigstens - Westfalen - in Vorturnerbezirke einzuteilen; deren es dann dort insgesamt bald 13 gab. Im Köln-Bonner Raum waren Vorturnerstunden und Gau 1873 wieder eingeschlafen. Das aber weil, wie Fritz Schroeder / Bonn wiederholt bemerkte, die turnerische Lage in diesem Köln-Bonner Raum in den späteren 1860er Jahren bis 1875 - sehr schlecht - war.

1875 bahnte sich eine erneute Gaugründung an

Im Zusammenhang mit dem 4. Deutschen Turnfest 1872 in Bonn war dort auch ein Deutscher Turntag - jedoch ohne besondere Beschlüsse - abgehalten worden. Von Bedeutung war dann aber der folgende Deutsche Turntag in Dresden (1875 (25./26.07.). Am 20.07.1875 wählten die Vertreter der TVe Bonn, Koblenz, (Köln-)Kalk, KTV und ATV Köln einen Delegierten für diesen Turntag. Am 03.10.1875 berichtete dieser Delegierte vor den Vertretern der damals bestehenden TVe des Köln-Bonner Raumes (damals noch einschließlich Neuwied) über den Turntag, die Verhandlungen, Empfehlungen und Beschlüsse. Es kam wieder zu einer Gaubildung. Dem damaligen Brauch entsprechend, wurde dem KTV - die Vorortschaft - übertragen. Dessen Vorsitzender - Johann Hamspohn - wurde damit Gauvertreter. Bald wurde aber allen klar, dass die Bestellung eines Vorortes nicht genüge, Satzungen erstellt, ein aktionsfähiger Gauturnrat gebildet werden müssten. Es folgten Sitzungen in Köln, Mülheim und Siegburg. Beschlossen wurde, von der - Vorortschaft - abzugehen, einen Ausschuss zu wählen, in dem aus jedem Verein ein Vertreter sitzen sollte. Der damalige Vorsitzende des Mülheimer TV, Sartorius, legte den Entwurf eines - Gaugrundgesetzes - vor.

23.07.1876 - Gründung des Sieg-Rhein-Gaues

Der in mancherlei Beratungen durchgesprochene, geänderte, verbesserte Satzungs-entwurf wurde auf dem Gauturntag zu Kalk, in der Restauration Stumpf, - nach hartem Kampf - schließlich angenommen. Sinn und Zweck, Aufgaben und Organisation waren damit schriftlich, verbindlich fixiert. An der Spitze des Gaues stand der Gauturnrat. Der bestand aus soviel Mitgliedern, als Vereine dem Gau angehörten. Am 08.08.1876 fand die erste Sitzung dieses Gauturnrates statt. Gauvertreter wurde Öben / ATV Köln.

Gausatzung

In Verfolg der Beschlüsse des Deutschen Turntages hatte der Ausschuss der DT ein - Muster-Grundgesetz - erarbeitet, welches den Gauen zur Annahme empfohlen wurde. Auf dem nächsten Gauturntag, am 17.09.1876 in Siegburg, wurde das eigene Grundgesetz des Gaues der von der DT empfohlenen Mustersatzung angepasst. Da der Rheinisch-Westfälische Turnverband, bzw. nunmehr der Turnkreis VIII / Rheinland-Westfalen, selbst auch noch eine, den hiesigen Verhältnissen gemäßere Gau-Mustersatzung seinen Vereinen als Richtlinie an die Hand gab, wurde die Satzung des Sieg-Rhein-Gaues nochmals überarbeitet und durch den nächsten Gauturntag verabschiedet.

Gauturnrat

In der ersten Zeit galt, dass alle Vereine im Gauturnrat vertreten sein sollten. Das führte dazu, dass der Gauturnrat immer größer wurde. Schon bald wurde deshalb, um rationeller arbeiten zu können, die Zahl der Gauturnratsmitglieder drastisch verkleinert. Eine Übersicht über die Zusammensetzung des Gauturnrates in der Zeit von der Gaugründung bis zur Gauteilung enthält der Anhang. Wie zu allen Zeiten gab es auch Flauten. Hierfür ein Beispiel aus der ersten Zeit: Schon 1878 war schnell die erste Begeisterung verflogen. Der Gauturnwart wurde krank. Die übrigen taten nichts. In der Gauturnratssitzung, am 07.08.1878 wurde der erste Gauvertreter Öben seines Amtes enthoben. Auch Zwistigkeiten gab es selbstverständlich schon damals. Auch dafür ein Beispiel: Georgi, der auf dem Gauturntag 1880 als Gauvertreter gewählt worden war, trat sein Amt überhaupt nicht an. Der Gauturnwart legte - Zwistigkeiten wegen - sein Amt nieder. Der neue Gaugeschäftsführer „trat am 15.07. aus dem Gauturnrat aus, so dass die Geschäfte des Gaues stockten“. Dank dem sofortigen, tatkräftigen Eingreifen anderer kam mit der Bestellung von Blümel als Gauvertreter alles schnell wieder in Ordnung.Wie die im Anhang angeführte Übersicht ergibt, fanden jährlich Gauturntage statt. Als von 1878 an bis 1888 alle Gauturntage in Köln durchgeführt wurden, wurde auf dem nächsten Gauturntag beschlossen, diese Gauturntage künftig abwechselnd in Bonn, Köln und Mülheim auszurichten. Auf dem Gauturntag in Mülheim 1898 kamen noch Siegburg und Euskirchen als Gauturntagsorte hinzu. So blieb es bis zur Teilung des Gaues 1922. Wichtig war auch für den Sieg-Rhein-Gau der Kampf um die Gaupflicht. Bis 1883 konnte jeder Turnverein der DT angehören, ohne gezwungen zu sein, auch Mitglied eines Gaues zu sein. Auf dem 8. Deutschen Turntag in Eisenach wurde - heftig umkämpft - den Turnkreisen gestattet, die Gaupflicht einzuführen. Auf dem Kreisturntag des Turnkreises VIII 1884 zu Krefeld wurde - nach langen, scharfen Diskussionen - für den Kreisbereich - die Gaupflicht - der Vereine beschlossen. Der Deutsche Turntag in Eßlingen 1895 brachte eine weitere Störung der Gaue damit, dass die bis dahin geltende Bestimmung gestrichen wurde, dass der Gau jeden innerhalb seiner Gaugrenzen bestehenden Verein aufnehmen müsse.

Gauturnfeste

Bis Anfang der 1880er Jahre sahen viele Vereine ihren Hauptzweck darin, große Vereinsfeste mit marktschreierischen Preisturnen durchzuführen. Gegen Beides wurde in der Turnbewegung angegangen, weil dadurch die Gauturnfeste litten, nicht im Mittelpunkt standen, keine Höhepunkte des turnerischen Jahres bildeten, wie es aber eigentlich sein sollte. Aus diesem Grunde wurde auf dem Gauturntag 1883 - zur Beschränkung solcher Vereinsfeste beschlossen, keine derartigen Vereinsfeste mehr zu besuchen, die nicht vom Gauturnrat empfohlen worden waren; keine Veranstalter sollten auch Vereine außerhalb des eigenen Bezirkes einladen. Diese Beschlüsse bewirkten eine Wendung zum Guten. Zu den Teilnehmerzahlen an den Gauturnfesten einige Zahlen aus den 1880er / 1890er Jahren. 1877 (in Bonn) 250 aktive Teilnehmer, 1878 (in Siegburg) 180 Teilnehmer bei den allgemeinen Freiübungen. 1880 (in Mülheim) 250 Teilnehmer. 1881 (in Brühl) 25 Vereinsriegen turnten. 1886 (in Euskirchen) 250 Teilnehmer. 1890 (in Bonn) 517 Teilnehmer. 1893 (in Mülheim) 650 Teilnehmer, 22 Riegen turnten, 6 Vereine zeigten Sondervorführungen, 217 machten bei den Stabübungen mit. 1894 (in Ehrenfeld) traten 250 Turner zu den Freiübungen an, die damals - in Ehrenfeld - erstmals mit Musikbegleitung durchgeführt wurden. 1895 in Godesberg, waren 600 Turner dabei. In Kalk 1899 machten bei den Freiübungen (nach Musik) 400 Turner mit. 18 Vereine beteiligten sich am Vereins-Wettturnen. Für das Gauturnfest in Beuel 1900 lauteten die Zahlen wie folgt: 157 Wettturner, Teilnehmer am Stafettenlauf 13 Vereine, am Festzug 887, an den Freiübungen 509 Turner, am Vereinswettturnen 18 Vereine. Die Gauturnfeste als Höhepunkt eines Jahres waren die Spiegelbilder der turnerischen Entwicklung.

Gauturnfahrten

Jede Gelegenheit wurde genutzt, die Verbindung der TVe untereinander, gemeinschaftsbildend, zu pflegen. Gauturnfahrten hatten einen Wert gleich hinter den Gauturnfesten und Gauturntagen. Zu solchen Gauturnfahrten gehörten eine - stramme -, turnerische Wanderung, ein damit verbundenes - Wettturnen - und zum Schluss das nicht zu unterschätzende kameradschaftliche Beisammensein, mit der Ausschöpfung aller Möglichkeiten, sich kennen zu lernen, sich näher zu kommen, Erfahrungen auszutauschen, Gemeinschaft zu werden. Turnfahrten wurden - außer von den Vereinen - sowohl vom Turnkreis VIII / Rheinland-Westfalen wie auch vom Sieg-Rhein-Gau veranstaltet; wiederholt auch sogar als Ersatz für ein Gauturnfest.

Auch hier wieder einige Beispiele:
Turnfahrten führten 1879 nach Heisterbach. Eine 2., im gleichen Jahr, nach Brühl. Ebenso war es auch 1889. 1890 war Ziel der neugegründete TV Selhof bei Honnef. 1891 ging’s „ins Bergische“, 1891 ins Siebengebirge mit Wettturnen in Heisterbach, 1892 ins Siegtal, 1897 von Euskirchen zum Michelsberg. Die Beliebtheit von Turnfahr-ten bei den Vereinen bekunden die folgenden Erhebungsergebnisse des Gaues aus dem Jahre 1897. 8 Vereine führten keine Turnfahrten, die übrigen 25 Vereine dagegen 81 halbtägige, 38 ganztägige und 6 mehrtägige Turnfahrten durch. Dann noch ein Beispiel aus den Vereinen selbst, dem TV Mülheim: Turnfahrten wurden unternommen im Jahre 1910: 10, 1911-1914 je 17, von 1907 bis Ende 1924 insgesamt 186 Turnfahrten. Längere Zeit standen neben dem Turnerischen auch - längere - strammere Märsche -. Beispiele: Bonner TV: 21.02.1886 Schnellmarsch von Bonn nach Köln, wobei - das sind schon Zeichen einer aufkommenden sportlichen Einstellung - die 25 km lange Strecke in 3 Stunden und 18 Minuten, d.h. der km in 7,9 Minuten zurückgelegt wurde; ferner etwas später ein Dauermarsch nach Niederbreisig und zurück über 64,5 km. Ein anderes Beispiel aus dem KTV. 21.12.1884: Es wurden marschiert 22,5 km in 3 Stunden, 35 Minuten, „das macht per km 9 1/2 Minuten“.

Bezirkseinteilung

Um die Vereinsarbeit ergiebiger zu gestalten, wurde mit der Zeit beiderseits, seitens des Gaues wie auch der Vereine, auf die Aufteilung des Gaues in Bezirke hingearbeitet. Auf dem Gauturntag 1883 wurde ein Antrag auf Teilung des Gaues in zwei Bezirke abgelehnt. Ein ähnlicher, auf dem Gauturntag 1885 gestellter Antrag kam wiederum nicht durch. Das hatte zur Folge, dass in diesem, überhaupt an Kampf reichen Jahr, der antragstellende Bonner Turnverein sich von den Gauveranstaltungen des Jahres fern hielt. 1887 wurde endlich durch den Gauturntag eine Einteilung des Gaues in drei Bezirke genehmigt. 1897, als der Gau bereits 33 ihm angeschlossene Vereine zählte, wurde die Aufteilung des Gaues sogar in fünf Bezirke beschlossen.

Vorturner

Wie schon erwähnt, war die Ausbildung, die Verbesserung des Leistungsstandes der Vorturner, einer der wichtigsten Gründe, die auf eine Gaugründung abzielten. Mit einigen kurzen Hinweisen lässt sich die hier vollziehende Entwicklung umreißen: Im 1. Jahre seines Bestehens - 1876 - übernahm ein tüchtiger Kölner Turner einmal im Monat die Förderung des Turnbetriebes in Mülheim und Siegburg. Bereits 1877 wurde dies, weil zu zeitraubend und nicht ergiebig genug, dahingehend geändert, dass an Stelle der vorerwähnten Besuche Gauvorturnerstunden für alle Vereine traten. 1878 wurde alle 6 Wochen eine Vorturnerstunde durchgeführt, an der von jedem Verein 2 Vorturner teilnehmen konnten. 1880 waren es insgesamt 11 Gauvortunerstunden bei durchschnittlich 36 Teilnehmern. 1881 11 Gauvorturnerstunden, bei durchschnittlich 30 Teilnehmern.

Um die Ausbildung zu intensivieren, wurden in diesem Jahre 3 turntechnische Vorträge eingebaut. Da sich die Ausarbeitung des Übungsstoffes nicht nur als empfehlenswert, sondern auch als notwendig erwiesen hatte, wurde 1882, auf Antrag der Deutzer, eine solche beschlossen. 1883 waren es 9 Vorturnerstunden mit durchschnittlich 24 Teilnehmern. Um ein qualifiziertes Übungsangebot und auch einen guten Besuch durch die Vereine zu gewährleisten, wurde 1884, in bester Absicht, eine besondere - Ordnung - beschlossen, die sich aber als in der Praxis nicht durchführbar erwies. Die folgenden Jahre brachten eine Abnahme der Zahl der Gauvorturnerstunden, bei einer Durchschnittsbeteiligung von 20 Turnern. Auf dem Gauturntag in Mülheim 1889 wurde eine Gauvorturnerschafts-Ordnung beschlossen. Neben 4 Gauvorturnerstunden kamen in diesem Jahr erstmalig auch 17 Bezirksvorturnerstun-den zur Durchführung. Für 1893 heißt es: Die Gau- und Bezirksvorturnerstunden wa-Barren gut besucht; erstere durchschnittlich von 45 Turnern. Mittlerweile hatten die Vereine - durch diese Anstrengungen des Gaues angeregt - zumeist eigene Vorturner-schaften gegründet. Die Vorturnerschaft des KTV konnte 1895 bereits ihr 25jähriges Bestehen feiern. - Ein besonderes Wort zur Honorierung, zur Bezahlung: Jungnickel, der 1817/1819 den Turnbetrieb leitete, wurde bezahlt. Euler, der von 1843-1845 in Köln ähnlich tätig war, wurde ebenfalls - honoriert -. Nicht anders auch Angerstein, der Anfang der 1860er Jahre in Köln und im Kölner Raum wirkte. Die Vereinsturnlehrer, die es auch damals schon gab, wurden bezahlt. Auch im Sieg-Rhein-Gau wurde - schon bald nach der Gaugründung - überlegt, ob man nicht einen - nebenher für den Gau tätigen - geeigneten Turnlehrer verpflichten könne. Als sich das als nicht tragbar erwies, wurde ein - tüchtiger Kölner Turner - Jakob Strempel - „gewonnen, der gegen Bezahlung (10,50 M für den Turnabend) die Leitung des Kalker und Siegburger Turnvereins einmal im Monat“ übernahm. Für 1877 hieß es dann nach der Einrichtung besonderer Gauvorturnerstunden - kennzeichnend - so: „Über die Frage der Vergütung entspann sich eine lebhafte Aussprache, die schließlich zu dem Beschluss führte, die Kosten der Gauschulungen aus der Gaukasse zu bestreiten, während die Vereine die Kosten der eigenen, sogenannten „privaten“ Vorturnerstunden tragen sollten“.

Teilnahme an auswärtigen, größeren turnerischen Veranstaltungen

Wie allerwärts so waren auch Turnerinnen und Turner aus dem Köln-Bonner Raum zu allen Zeiten bei größeren, auswärtigen turnerischen Veranstaltungen vertreten, bei solchen des Rheinisch-Westfälischen Turnverbandes und seinen Folgeorganisationen wie auch der DT, bei Turntagen und Turnfesten, bei Turnfahrten, Wettturnen und Bergfesten. Zu allen Turntagen entsandte der Gau die ihm zustehenden Vertreter. Beim Kreisturnfest in Dortmund 1883 war der Gau mit 42 „Gaugenossen“, 1886, beim Kreisturnfest in Krefeld, mit 100 „Genossen“ dabei.

Zum 6. Deutschen Turnfest nach Dresden 1886 fuhren 36, zum 7. Deutschen Turnfest in München 86, nach Breslau, zum 8. Deutschen Turnfest, 25 „Turngenossen“ aus dem Sieg-Rhein-Gau. Sie waren aber niemals nur mit anwesend, sondern immer aktiv dabei. Immer wieder haben Turner aus dem hiesigen Gaubereich, beispielsweise bei Kreis- und selbst auch bei Deutschen Turntagen, sich an den Beratungen und Diskussionen, erfolgreich auch mit eigenen Anträgen beteiligt.

Besondere - überörtliche - turnerische Veranstaltungen im Gaubereich

Hierhin zählen der Verbandstag und das Verbandsfest des Mittelrheinischen Bezirksvereins 1848, die Verbandstage des Rheinisch-Westfälischen Turnverbandes 1861 - nebst Verbandsturnfest - und 1868 in Köln, 1864 in Bonn, sowie der Kreisturntag des Turnkreises VIII 1894 in Köln und die Kreisturnfeste des Turnkreises VIII b 1905 in Köln und 1909 in Mülheim, der 4. Deutsche Turntag und das 4. Deutsche Turnfest 1872 in Bonn, die Sitzung des Ausschusses der DT 1896 in Köln und 1898 der maßgeblich von F.A. Schmidt in Bonn ausgerichtete 3. Kongress für Volks- und Jugendspiele.

Hingewiesen sei schließlich noch darauf, dass außerdem noch eine Fülle von Sitzungen und Tagungen der Gauvertreter, Gauturnwarte usw. im Gaubereich stattfinden.
Das 4. Deutsche Turnfest, 1872 in Bonn: Das 1. Deutsche Turnfest hatte 1860 in Coburg stattgefunden, das 2. 1861 in Berlin, das 3. 1863 in Leipzig .... Das für 1866 in Nürnberg vorgesehene Turnfest fiel des Deutsch-Österreichischen Krieges (1866) wegen aus .... Die Deutsche Turnerschaft, die - bezeichnend für die gesamte politi-sche Lage - erst 1868 „de jure“ in Weimar hatte gegründet werden können, bemühte sich, einen Ausrichter für das nächste, ein 4. Deutsches Turnfest, zu finden. - Köln - von der DT-Führung befragt, hatte abgelehnt; ebenso wie Würzburg und Pforzheim. Bonn, d.h. der 1860 gegründete Bonner TV, hatte dann überredet werden können, - wenn auch schweren Herzens (der Verein zählte nur 113 Mitglieder) - Ja zu sagen. Der Ausschuss der DT, der am 08.08.1871 in Würzburg tagte, billigte die - Vergabe - an die Bonner Turner. Diese bildeten, nachdem auch die Stadt ihre Unterstützung zugesagt hatte, einen Turnerfestausschuss. Auf dem Verbandstag des Rheinisch-Westfälischen Turnverbandes, am 29.10.1871, in Duisburg, sicherten die Bonner Turner sich die Hilfe ihres Verbandes. Die Stadt Bonn hatte für dieses Fest eine Beihilfe in Höhe von 1.500 M bewilligt. Weitere rund 4.500 M erbrachte eine Spenden-sammlung. Am 21.05.1872 lud der Festausschuss zum 4. Deutschen Turnfest, für den 03.-06.08.1872, ein. Alles war bestens vorbereitet, wie z.B. der Turnplatz auf dem Venusberg, der Zeltplatz mit 600 Zelten vor dem Kölntor usw.. Zum Fest selbst dies: 03.08., nachmittags - Deutscher Turntag - in der „Lese“ am Rheinufer. Abends Begrüßungsabend in der Beethovenhalle an der Brückenstraße.

Die eigentlichen Festtage, der 04. und 05.08. ... sind fast ganz verregnet .... Trotzdem nahmen 3.700 Turner - mit 230 Fahnen - am Festzug teil .... Durchgeführt wurden auch die Vorführungen und Wettkämpfe .... Am letzten Tag, dem 06.08., ... schien plötzlich die Sonne wieder .... 1.500 Turner unternahmen da auf 4 Dampfern eine Rheinfahrt von Bonn bis Remagen und wieder zurück bis Königswinter. Von dort ging es zum Drachenfels und von da nach Heisterbach, ... wo unter anderem ausgefallene Wettkämpfe nachgeholt wurden .... Eine Nachfeier hatten die Kölner Turner arrangiert: ein Gartenfest in der Kölner Flora .... Interessant, dass damals selbst ausländische Turnvereine nach Bonn kamen, aus ... New York, Petersburg, Riga, Reval, London, aus Belgien, Ungarn, der Schweiz und „Elsaß-Lothringen“ .... Schade, die Bonner Freunde hatten sich so viel Mühe gegeben .... Die Stimmung der auswärtigen Teilnehmer war aber ... trotz allem ... großartig.

„Gaugenossen“ in „besonderen Ämtern“

In dieser Hinsicht sei - stellvertretend für noch manch andere - nur - auf zwei „Gaugenossen“ hingewiesen: Fritz Schroeder, der so ungewöhnlich viel für den Gau getan hat, war von 1899 bis 1922 Kreisturnwart des Kreises VIII b und Mitglied des Turnausschusses der DT, von 1919-1921 1. Frauenwart der DT.-Geheimrat Prof. Dr. med. F.A. Schmidt - von 1883 - 1929 Vorsitzender des Bonner Turnvereins - war von 1887-1897 Mitglied des Ausschusses der DT und lange 2. Vorsitzender des Zentralausschusses zur Förderung der Volks- und Jugendspiele.

Presse-, Öffentlichkeitsarbeit

Mit der Presse hielten die Turner des Köln-Bonner Raumes eigentlich immer gute Verbindung. Für die 1860er Jahre sind in dieser Beziehung besonders bemerkenswert die Bemühungen von Wilhelm Angerstein. Er konnte von sich behaupten, dass es wohl keine Zeitung in Rheinland - Westfalen gebe, die nicht von ihm immer wieder Beiträge turnerischen Inhaltes erhielt. Anfang der 1860er Jahre hat ein Rheinisch-Westfälischer Turntag über die Anträge der Kölner Hamspohn und Angerstein diskutiert, die „Kölnische Zeitung“ oder die „Rheinische Zeitung“ als offizielles Nachrichtenorgan der Rheinisch-Westfälischen Turner zu nutzen und anzuerkennen. Als 1861 in Köln - wesentlich durch Angerstein - bei 1.000 Teilnehmern - das 2. Rheinisch-Westfälische Turnfest durchgeführt wurde, berichteten die Kölner Zeitungen sogar in - Leitartikeln - über dieses Fest, was in der Deutschen Turnzeitung 1863 anderen als nacheifernswertes Beispiel vorgehalten wurde. 1860 und 1861 gab Wilhelm Angerstein in Köln eine Rheinisch-Westfälische Turnzeitung heraus, die im 1. Jahr 108 und im 2. Jahr 215 Seiten umfasste. Die „DT“ sah darin eine Konkurrenz der Deutschen Turnzeitung, die damals nur 800 Abonnenten zählte. Dem - Rat - Theodor Georgis, des 1. Vorsitzenden der „DT“, wurde entsprochen und für die -DTZ- geworben. - In den 1870er, 1880er Jahren und auch noch später, lag ähnlich Fritz Schroeder / Deutz, später Bonn, die Pressearbeit sehr am Herzen.

Auch er publizierte viel, auch in den Tageszeitungen, ja selbst in den kleinen Lokalblättern, wie der Kalker, der Mülheimer oder der Brühler Zeitung. Zu Jean Dietz, dem Herausgeber dieser Lokalblätter, unterhielt Schroeder immer eine enge Verbindung. Bei besonderen Vorhaben konnte er dann auch gewiss sein, dass seine Berichte veröffentlicht wurden. Von 1884 ab wurde auf Betreiben von Fritz Schroeder - zuerst autographiert - von Nr. 4 ab bei Jean Dietz gedruckt - lange ein Gaunachrichtenblatt herausgegeben. 1887, auf dem Deutschen Turntag in Coburg, wurde auf Antrag von Fritz Schroeder sogar die Einsetzung eines „Presseausschusses“ beschlossen. „Der aber nie richtig tätig“ wurde.

Öffentlichkeitsarbeit
Nicht übersehen sei, dass manche Einrichtungen, die heute bekrittelt, abgelehnt werden, damals - in ihrer Zeit - wertvolle Mittel zeitgemäßer Öffentlichkeitsarbeit waren. Hierin gehört auch alles, was der Werbung dient. Hierhin also alle - öffentlichen - turnerischen Veranstaltungen, Schauturnen, Turnfeste, die bewusst, vorrangig herausgestellten Gauturnfeste und selbst die Gauturntage. Dahin ferner die Festzüge, die Fahnen, die Kränze .... Wer bezog, bekam, las - damals - eine Zeitung ...? Wie trug man den Turngedanken am zielstrebigsten ... ins Volk? ... Auf diese und ähnliche, damaligen Zeiten gemäße, damals ... moderne ... Weisen ...!{mospagebreak title=Finanzielles&heading=Finanzielles}Zu allen Zeiten spielten die finanziellen Fragen, Beiträge usw. eine große Rolle. Auf eine sparsame, rationelle, „effiziente“ „Finanzpolitik“ wurde größter Wert gelegt. Anfangs - dies als ein Streiflicht aus diesem Bereich - wurden die Gaufeste unter der finanziellen Verantwortung des Gaues durchgeführt. Da die Gaufeste aber 1877 bereits ein Defizit von 171,14 M (bei Gesamtkosten in Höhe von 1.233,39M), 1878 eines in Höhe von 419,05 M brachten, später einige Male die Erhebung von „Sondersteuern“ zur Deckung des Defizits drohten, beschritt der Kalker TV - 1882 - freiwillig - selbst - mit Erfolg - einen anderen Weg. Von da ab trug jeder ein Gauturnfest ausrichtende Verein - dem Beispiel der Kalker folgend - das finanzielle Risiko selber. Wenn 1884 dann trotzdem eine Sonderumlage „zur Deckung des vorhandenen Defizits von 200,- M ausgeschrieben“ werden musste, so hatte dies andere Gründe. Alle, Gau und Vereine, achteten sehr genau darauf, dass die Haushaltsvoranschläge für das nächste Jahr nicht überschritten wurden.{mospagebreak title=Änderung der Organisation der rheinischen Turnbewegung&heading=Änderung der Organisation der rheinischen Turnbewegung}

Änderung der Organisation der rheinischen Turnbewegung

1858 war der Rheinisch-Westfälische Turnverband gegründet worden. Anfang der 1860er Jahre hatten die Turner - wie bereits erwähnt - das damalige Deutschland in 15 Turnkreise aufgestellt. Rheinland - Westfalen wurde zum Turnkreis VIII. Gleichwohl hielten die hiesigen Turner bis 1876 an ihrem Rheinisch-Westfälischen Turnverband fest.
Um Ordnung ins Ganze zu bekommen, hatte der Deutsche Turntag 1875 das Grundgesetz der DT neu gefasst und die Einteilung in die genannten Turnkreise angeordnet. Der Verbandsturntag in Elberfeld 1876 beschloss deshalb die Auflösung des Rheinisch-Westfälischen Turnverbandes und dessen Überführung in den nun einzurichtenden Turnkreis VIII Rheinland - Westfalen. Als die Turnbewegung in der folgenden Zeit überall schnell weiter wuchs und dieser Turnkreis dann zu groß, zu schwer verwaltbar geworden war, wurde auf Antrag des Bonner TV - der 1876 beim Kreisturntag in Hagen mit seinem Antrag keinen Erfolg gehabt hatte - auf dem Kreisturntag in Krefeld 1898 der Turnkreis VIII geteilt in den Turnkreis VIII b Rheinland und VIII a Westfalen. So blieb es bis 1933.
Neben der immer stärker werdenden DT Heranwachsen einer immer gewichtigeren Sport- und Spielbewegung: Innerhalb der DT, ihrer Vereine und Verbände, gewann der Sport- und Spielgedanke, das Streben nach Leistung und Leistungsvergleichen, Wettkämpfen, Meisterschaften, Hoch- Höchstleistungen, Rekorden, auf deutscher, europäischer und selbst weltweiter Ebene, in dieser Zeit von 1870-1922, immer mehr an Boden. In den Turnvereinen bildeten sich Spezialabteilungen, die immer selbständiger wurden. Bei dem allenthalben aufkommenden Generationenstreit, dem Kampf zwischen ... Alt und Jung ..., Konservativ-Progressiv, Althergebrachtem und Neuem, Zeitgemäßem ..., kam es mit dem Austritt solcher Spezialabteilungen zur Bildung eigener Spezialvereine. Diese wiederum bildeten Spezialverbände, mit eigenen Regeln und Ordnungen. ... Einige Daten und Fakten aus dem Deutschen Bereich mögen hier - als Beispiele - die rasante Entwicklung kennzeichnend - für sich selbst sprechen: 1878 Gründung des ersten Schwimmvereins. 1880 des ersten Leichtathletikvereins. 1882 des ersten Schwerathletikvereins (Cölner Athletik Club), ... Austragung des ersten Deutschen Ruder- und der ersten Deutschen Schwimmmeisterschaft. 1883 Gründung des Deutschen Ruderverbandes (in Köln). 1884 des Bundes Deutscher Radfahrer und 1. Deutsche Radmeisterschaft. 1886 Gründung des Deutschen Schwimmverbandes. 1890 des Deutschen Eislaufverbandes. 1891 des Zentralausschusses für Volks- und Jugendspiele, Gründung des Deutschen Athletikverbandes und 1. Deutsche Meisterschaft im Eislauf. 1892 Gründung des Arbeiterturnerbundes. 1894 Gründung des Internationalen Olympischen Komitees. 1896 1. Olympische Spiele in Athen. 1898 Gründung des Rheinischen Spielverbandes (1. Vorsitzender: F.A. Schmidt / Bonner TV; von den Gründervereinen waren 5 TVe, darunter der Kölner und der Bonner TV), Gründung der Deutschen Behörde für Leichtathletik, 9. Deutsches Turnfest in Hamburg. 1900 Gründung des Deutschen Fußballverbandes. 2. Olympische Spiele in Paris. 1903 10. Deutsches Turnfest in Nürnberg. 1904 Gründung des Internationalen Fußballverbandes. 3. Olympische Spiele in St. Louis. 1908 1. Deutsches Hallensportfest in Berlin, 1. großer Straßen-Staffellauf Potsdam-Berlin, 11. Deutsches Turnfest in Frankfurt / Main. 1911 die DT hat 1 Million Mitglieder. 1912 5. Olympische Spiele in Stockholm. 1913 Eröffnung des Deutschen Stadions zu Berlin, Begründung des Deutschen Turn- und Sportabzeichens, Gründung des Internationalen Leichtathletikverbandes sowie des Internationalen Tennisverbandes. 12. Deutsches Turnfest in Leipzig mit 80.000 Teilnehmern. 1914 Gründung des Deutschen Kanusportverbandes und des Internationalen Arbeitersportverbandes.

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