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1922 – 1933: Entwicklung des Turngaues in der Weimarer Republik

Allgemeines

Zur Charakterisierung der allgemeinen, politischen Lage in der vorgenannten Berichtszeit auch hier einige Stichworte: Deutschland hatte den Krieg verloren. Revolution.

Der Kaiser hatte abgedankt. Es gab keine Monarchien mehr. Reich und Länder waren nur Republiken. Die - neue - Weimarer Verfassung. Die Weimarer Zeit. Vielfältige politische Auseinandersetzungen. 1923 Besetzung des Ruhrgebietes durch die Franzosen. 1926 Abzug der Besatzungstruppen ... Goldene Zwanziger Jahre ... ? ... Inflation, zunehmende, immer gefährlichere Arbeitslosigkeit ... Politische, ungewöhnliche Gefahren ... !

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Grundsätzliches, Grundlegendes für den Gaubereich

Vor allem die neue Lage, Kriegsende und Neubeginn brachten auch dem Gebiet von Turnen, Spiel und Sport die Fortsetzung der 1914 so abrupt abgebrochenen Entwicklung, aber auch ein Neu-, ein Weiter-, ein Umdenken in Vielem. Der Wille zum Leben bedingte im unmittelbaren Anschluss an den verlorenen Krieg einen ungeahnten Aufschwung auch auf diesem Gebiet. Sicherlich, viele waren gefallen, verwundet oder anfangs noch in Kriegsgefangenschaft. Von den nächsten Olympischen Spielen 1920 und 1924 blieben die Deutschen ausgesperrt. Gegründet wurde der Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen, eine Dachorganisation der gesamten Turn- und Sportbewegung. Der - Sport - kam schnell zu einer immer größeren Blüte.

Nicht zurück, - wohl aber mit wachsender sportlicher Konkurrenz - blieb die Turnbewegung. Auch im Bereich des Sieg-Rhein-Gaues wuchs schlagartig die Zahl der Vereine und ihrer Mitglieder. Der Gau wurde zusehends größer. Die Vertreter der Vereine des Kölner Raumes, der damaligen Turngaubezirke I, II a und II b (Köln und Umgebung) hielten angesichts dieser Entwicklung, um schneller und besser weiter zu kommen, eine Trennung des in jeder Beziehung immer größer werdenden Sieg-Rhein-Gaues für notwendig. Der - Kölner - Antrag auf Teilung des Gaues wurde auf einem außerordentlichen Gauturntag am 24.10.1921 in Bonn, mit 91 gegen 83 Stimmen abgelehnt. Mittelpunkt des nächsten ordentlichen Gauturntages am 15.01.1922 in Köln, war der erneute Antrag der Kölner, Ihres Sprechers Barthel Gödde / Tgde Mülheim, auf Teilung des Gaues, auf Abtrennung der vorgenannten Bezirke. Nach erbitterten Diskussionen wurde mit 150 gegen 120 Stimmen dem Antrag zum Schluss entsprochen. - Die konstituierende Sitzung des neuen, des nunmehrigen Kölner Turngaues fand am 05.02.1922, in Köln-Deutz, statt. Der bisherige Gauvertreter - Oskar Rehfeldt / KT 43 wurde Ehren-Gauvertreter, der geborene Deutzer Fritz Schroeder / Bonn Ehren-Gauturnwart, Barthel Gödde: Vorsitzender des Kölner Turngaues. Der damalige Gau zählte bei seiner Gründung 39 Vereine mit 6.115 Vereinsangehörigen. Räumlich umschloss der Kölner Turngau den Bereich zwischen Wesseling und Wiesdorf-Leverkusen, die Gebiete von Bergisch Gladbach und Bensberg bis Groß-Königsdorf / Horrem.
Hinsichtlich der allgemeinen Entwicklung des Gaues sei für diese Phase -1922-1933 - folgendes vermerkt:

Bezirkseinteilung

Die Bezirke I, II a und II b blieben später vorerst bestehen. 1925 hob man die Bezirkseinteilung auf. Später (1928) hielt man sie wieder für wichtig. Es gab dann zwei Bezirke im Kölner Turngau, den links- und den rechtsrheinischen Bezirk. Da diese Aufteilung sich bewährte und der Gau - basisnah - tätig werden und so aktiv bleiben sollte, wurden die Bezirksvertreter ab 1929 zu allen Gauturnratssitzungen eingeladen und kurz danach, bei einer entsprechenden Satzungsänderung, auch stimmberechtigt. Die Wirksamkeit ihrer Arbeit schlug sich nieder in eindrucksvollen Bezirksfesten und Bezirkswettkämpfen, die oft in den Vereinsfestschriften erwähnt werden. - Gauschulung: Wie immer in der hundertjährigen Geschichte des Kölner Turngaues stand die Schulung auch jetzt im Blickpunkt. Eine Ausweitung und Intensivierung erfuhr diese - Aktion Schulung - mit der Eröffnung der Deutschen Turnschule unter Hermann Ohnesorge, 1928 in Berlin. - Gaunachrichtenblatt: Um die Vereine enger aneinander zu schließen, den Erfahrungsaustausch untereinander zu vertiefen, wurde ab 1927 ein Gaunachrichtenblatt herausgegeben. - Dem gleichen Zweck diente - 1931 - die Einrichtung einer Gaugeschäftsstelle, mit der Anstellung eines honorierten Geschäftsführers. - Sogar eine Gaueigene Platzanlage schuf sich der Kölner Turngau. Am 08.05.1924 wurde in Köln-Mülheim, an der Militärringstraße, eine eigene Platzanlage eingeweiht, die später allerdings in die Verwaltung, in den Besitz des Mülheimer TV überging.

Die sogenannte Reinliche Scheidung

Während früher die Turnbewegung - dominierend - übermächtig - das Feld beherrschte, wurde mittlerweile die Sport- und Spielbewegung - selbständig geworden - immer stärker. Die Bildung von Spezialvereinen hatte - wie bereits angegeben - zu Spezial-, zu Fach-Verbänden geführt, die nun - fachlich - bezüglich der Wettkämpfe und Spiele, ... mit Meisterschaften und Rekorden, auf nationaler und internationaler Ebene - fachspezifisch - für sich allein - „das Sagen“ in Anspruch nahmen und alles in eigenen Regeln und Ordnungen ... verbindlich ... festlegten. Die von Anfang an und grundsätzlich vielseitige Turnbewegung bäumte sich dagegen auf. Das führte auf Deutschen Turntagen zur sogenannten „Reinlichen Scheidung“ ..., der Entscheidung: ... Turnen   oder Sport ...! Auf dem Kreisturntag des Kreises VIII b / Rheinland, der am 20.01.1924 in der Aula des Deutzer Realgymnasiums stattfand, wurden vor aller Öffentlichkeit die Gründe dargelegt, die zur Trennung zwischen der DT und den Sportverbänden geführt hatten. Hauptgegenstand war diese - Reinliche Scheidung - auch beim ordentlichen Gauturntag des Kölner Gaues am 02.12.1923, in Köln-Deutz .... Auf allen Ebenen wurden die Beschlüsse der DT gebilligt .... Den Vereinen schlugen allerdings diese Be-schlüsse schwere, ja mancherorts schwerste Wunden. Gleichwohl machte die Turnbewegung aber verhältnismäßig schnell erlittene Verluste wieder wett. Die Turnbewegung blieb - zusehends weiter erstarkend - eine vielseitige Bewegung, bei der das Turnen - hier: das Geräteturnen - nur ein Teil des Ganzen war. 1930, so heißt es, war die Einigung zwischen Turnen und Sport - auf höchster Ebene - zwischen DT und DRA (Deutscher Reichsausschuss für Leibesübungen), wie auch auf allen anderen und selbst der Vereinsebene, wieder hergestellt.

Die bleibende, umkämpfte turnerische Vielseitigkeit

Hierzu gehört das „Volksturnen“, die Leichtathletik, die - wie eh und je - mit zur Turnerei gehörte, von Anfang an auch Gegenstand aller „Turnfeste“ war. Die Veranstaltung spezieller Gausportfeste unterstrich dies mit Meisterschaften bis zur DT-Spitze hin. Als eine machtvolle, hierin gehörige Demonstration sei der sogenannte - Hermannslauf - genannt, der 1925 mit 16 Hauptläufen und vielen Nebenläufen - als Staffellauf der gesamten Deutschen Turnerschaft - mit dem Hermannsdenkmal als Ziel - zur Durchführung kam. - Hierin zählt auch das Schwimmen, mit vielerlei kleinen und großen Veranstaltungen, beispielsweise auch mit der großen Rheinstaffel, die von Basel bis Köln, gelegentlich des Kölner Deutschen Turnfestes, 1928 „geschwommen“ wurde. Ähnlich wie Gausportfeste wurden Gauschwimmfeste veranstaltet.

Eine turnerische Disziplin war immer auch das Fechten. Manche Gauvereine brachten und bringen dies selbst in ihrem Namen zum Ausdruck, wie Fecht- und Turn-Club 65, Turn- und Fecht-Verein 1888 Bergisch Gladbach, Turn- und Fecht Gemeinde Nippes 1878. - Ende der zwanziger Jahre kam noch eine - turneigene - Kanusportbewegung dazu .... Aus dem Bereich der Spielbewegung gehört hierhin - ein ... wesentlich ... auch turnerisches Gewächs - das Handballspiel, das immer mehr Boden gewann, in der Turnbewegung wie auch außerhalb. Schon am 12. / 13.08.1922 wurde im Rahmen des vom TV Kalk 1847 ausgerichteten - Kreisspielfestes - „Kalk“ Handballmeister im Kölner Turngau. Große Zuschauermassen lockte das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft im Handball am 07.10.1923 ins Kölner Stadion. Das Ende um die Kreismeisterschaft des Turnkreises VIII b auf der Radrennbahn im Kölner Stadion (1930) zog 6.000 Zuschauer an. Selbst an der Entwicklung des „Fußballs“, dessen Anfängen, hat die Turnbewegung Anteil. Von den 9 Vereinen, die 1898 den Rheinischen Spielverband gründeten, der später - mit zum Westdeutschen Fußballverband wurde, - waren 5 Turnvereine, darunter aus unserem damaligen Turngau der Bonner TV und der Kölner TV. Das langjährige Vorstandsmitglied unseres Gaues, Prof. Dr. F.A. Schmidt / Bonn war von 1900-1905 der erste 1. Vorsitzende des vorgenannten Verbandes. Auch der erste 1. Vorsitzende des Deutschen Fußballbundes - Prof. Dr. Hueppe (1853-1938) - war ein Turner. Ebenso sein Nachfolger in diesem Amt Gottfried Hinze (1873-1953 / TV Duisburg) .... Schon 1889, beim Deutschen Turnfest in München, wurde Fußball gespielt. Beim nächsten Deutschen Turnfest 1894 war es ebenso. Zum Deutschen Turnfest 1899 in Hamburg wurden allein 14 Fußballmannschaften gemeldet .... An die Stelle der gelegentlich der Reinlichen Scheidung ausgeschiedenen Fußballabteilungen traten bald auch in unserem Bereich andere .... - Neu war Ende der zwanziger Jahre innerhalb der Turnbewegung auch das Werden und Wachsen einer eigenen Tennisbewegung .... Einen Überblick über die spielerische Vielseitigkeit des Kölner Turngaues vermitteln folgende Zahlen / 1927 / 1928 hatte der Kölner Turngau: 23 Schlagball-, 57 Faustball-, 75 Handball-, 19 Fußball-, 5 Tennis- und 3 Hockeymannschaften. 1930 waren es: 118 Handball-, 23 Fußball-, 19 Schlagball-, 95 Faustball- und 9 Tennismannschaften. 1931: 158 Handball-, 27 Fußball-, 9 Schlagball-, 98 Faustball- und 9 Tennismannschaften -.

Vielseitigkeit auch auf dem Gebiet des Geräteturnens

Für die Jugend, und zwar sowohl die männliche als auch die weibliche Jugend, wurde ein besonderer Jugendwettbewerb ausgeschrieben, ein Wanderpreis, eine Oskar Rehfeldt-Plakette und ähnlich ein Turnen um den „Goetz-Jugend-Kranz“. Vereins- und Gaujugendtreffen wurden durchgeführt; ebenso auch Sonnwendfeiern. Viele - d.h. bis zu 10.000 und mehr Jugendliche - nahmen an den großen Deutschen Jugendtreffen der DT teil.

Wie überall, so sprach man auch im Kölner Gau von einer Turnerjugend, von einer Turnerjugendbewegung, die neben dem Turnen / Geräteturnen, dem Wandern und Zelten, auch - geistige Jugendpflege - betrieb und sich - ganz modern - beispielsweise auch eine besondere Ausbildung von Jugendführern - angelegen sein ließ. Maßgeblichen Anteil hatte die Kölner Gaujugend an der Vorbereitung und Durchführung des großen Zeltlagers, das anlässlich des Deutschen Turnfestes 1928 in Köln - mit Tausenden jugendlichen Teilnehmern - auf der alten Mülheimer Heide untergebracht war. - Einen großen Aufschwung, geradezu einen Durchbruch, brachten diese zwanziger Jahre dem Frauenturnen. Hingewiesen sei auf die enorme Zahl der Teilnehmerinnen an den Freiübungen beim Kölner Deutschen Turnfest. - Besondere Erwähnung verdient weiter die Förderung des Turnens der älteren Turner, die Betreuung der Altersturner, die vorbildliche Zusammenarbeit der - Alten - beider Gaue, des Sieg-Rhein- und des Kölner Turngaues. Jahrelang führten die Altersturner beider Turngaue gemeinsam Alterstreffen durch, die erst recht durch die den Wettkämpfen folgenden Kameradschaftstreffen, das gemütliche Beisammensein, allen zum Erlebnis wurde.

Erwähnenswert sind auch manche sonstige turnerische Veranstaltungen dieser Zeit:

... die Wettkämpfe Köln rechts gegen links, die Dreistädtekämpfe Köln - Düsseldorf - Essen, der wiederholt durchgeführte Städtekampf München - Köln oder der verschiedentlich veranstaltete Vergleichskampf Amsterdam - Groningen - Bremen - Köln und nicht zuletzt der Rheinland - Westfalen - Kampf, ... die alle, in einem bestimmten Turnus ... auch in Köln zur Durchführung kamen. In den verschiedensten Hinsichten bemerkenswert sind ferner die vielen großen Vorführungen: die der Deutschlandriege (1926), das Kreisgeräteturnen, am 14.04.1929, in der Rheinlandhalle, vor 6.000 Zuschauern, die Vorführungen der Musterturnschulen Hannover und Leipzig, die Vorführung der Dänischen Turnschule aus Ollerup, unter Leitung von Niels Bukh, 1924 in der großen Festhalle der Deutzer Messe, ... diejenigen der Kursisten und Kursistinnen der Preußischen Hochschule für Leibesübungen, am gleichen Ort und im gleichen Jahr sowie die große Werbeveranstaltung der Turnerinnen, am 09.11.1929, im Kölner Schauspielhaus. ...

Gauturntage - Gauturnfeste

In dieser Beziehung - wann und wo sie stattfinden - sei auf den „Anhang“ 100 Jahre Turngau Köln verwiesen.

Kreisturntage und Kreisturnfeste

In der Berichtszeit (1922 / 1933) fand, wie bereits angegeben, am 20.01.1924 in Köln Deutz ein Kreisturntag statt. Das 8. Kreisturnfest des Turnkreises VIII b / Rheinland - nach heutigen Begriffen: ein Landesturnfest - wurde in der Zeit vom 04.-06.07.1924 im Kölner Stadion durchgeführt.

Das Deutsche Turnfest 1928 in Köln

Zu - dem - Höhepunkt wurde dieses große Kölner Deutsche Turnfest. Dem bereits genannten Barthel Gödde / Tgm. Mülheim, der schon 1905 das großartige Kreisturnfest des Turnkreises VIII in Mülheim / Ruhr ausgerichtet hatte, gebührt das Verdienst, dieses Deutsche Turnfest nach Köln geholt und durchgeführt zu haben .... Während des Deutschen Turnfestes 1923 in München tauchten dort Gerüchte auf, - Köln - wolle sich um das nächste Deutsche Turnfest bewerben. Auf dem Deutschen Turntag 1924 in Würzburg brachte Barthel Gödde diesen Wunsch offiziell als Antrag ein; mit glänzendem Erfolg. Da damals die Rheinlande noch von fremden Truppen besetzt waren, blieb nur eine Bedingung: ... falls dies nicht die Durchführung behindert .... 1925 empfahl der DT-Hauptausschuss dem Deutschen Turntag die Vergabe dieses Festes - verbindlich - nach Köln. Der Deutsche Turntag, 1926 in Bremen, fasste den endgültigen Beschluss; denn 1926 wurden die Rheinlande - von der Besatzung - frei. - Der Kölner außerordentliche Gauturntag am 10.04.1927 beschäftigte sich fast ausschließlich mit diesem Fest. Der ordentliche Gauturntag am 22.01.1928 stand ganz im Zeichen dieses Turnfestes. Alle waren an diesem Fest interessiert; irgendwie - mehr oder minder - fast alle - mitarbeitend - bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung - engagiert. Hindenburg wurde Schirmherr dieses Festes. Konrad Adenauer - als Kölner Oberbürgermeister - war persönlich um ein bestmögliches Gelingen bemüht. Es folgten: die Einweihung des Jahndenkmals im Stadion, die Übergabe des Bundesbanners der DT, das prachtvolle Festspiel in der großen Festhalle der Kölner Messe „Feuer am Rhein“; dann im Stadion die große Zahl an Darbietungen, Vorführungen und Wettkämpfen, ... weiter der Festzug der 200.000 Turner und Turnerinnen und schließlich der Festnachmittag auf der Jahnwiese, ... u.a. mit den Freiübungen von 25.000 Turnern und 22.000 Turnerinnen sowie die überaus eindrucksvolle Siegerehrung ....

Besatzungszeit, Inflation und Arbeitslosigkeit

Besatzungszeit: Nachdem die Deutschen Truppen zum Schluss des Krieges zurückgeführt waren, folgte die Besatzung mit der Belegung vieler Turnhallen. In Verbindung mit der - Kohlennot - den „Kohleferien“ usw. führte das zu einer nicht unbeträchtlichen Behinderung des Turnbetriebes. Mit der Besetzung des Ruhrgebietes durch französische Truppen - 1923 -, damit, dass die Franzosen auch die Deutsche Eisenbahn übernahmen, die „Besatzungsgrenze“ zur grünen Grenze und Ausreiseerlaubnisscheine notwendig wurden, schien die Teilnahme der Turner aus den besetzten Gebieten am Münchener Deutschen Turnfest 1923 schier unmöglich. Trotz allem sind viele, auf Schleichwegen, bei Nacht und Nebel, dorthin gekommen, ... weil nicht mehr erwartet, ... in München doppelt begeistert begrüßt .... Die Inflation: war - wirtschaftlich - wie eine galoppierende Schwindsucht. Auch den Vereinen brachte sie vielerlei Schwierigkeiten.

Schwer war es, immer wieder die Mitgliedsbeiträge anzupassen. Die Bestreitung notwendiger Vereinsbedürfnisse wurde (so z.B. Bergisch Gladbach) unmöglich. Die Sportstättenbaufonds und andere Guthaben vieler Vereine - wie z.B. in Schlebusch - zerronnen in ein Nichts. Auf dem Kölner Gauturntag, am 20.12.1924, hieß es: Angesichts der enormen Geldentwertung war es unmöglich, einen ordnungsmäßigen Kassenbericht vorzulegen .... - Weit schlimmer wirkte sich die Arbeitslosigkeit - aus. bei den Siegburgern waren 165 arbeitslos, in Dellbrück von 150 Mitgliedern 30. Königsdorf, Turn- und Fecht Bergisch Gladbach sowie Schlebusch sprachen von einem Nachlassen des Turnbetriebes. Bergisch Gladbach setzte einen besonderen Ausschuss ein, der Vorschläge erarbeitete, die die Not etwas lindern sollten. Die Monatsbeiträge wurden von 0,75 auf 0,25 ermäßigt. Vorträge wurden gehalten. Der Erlös von besonderen Veranstaltungen kam Erwerbslosen zugute. Die Mitglieder wurden aufgefordert, Erwerbslose, die turnen wollten, mitzubringen und „so“ mitturnen zu lassen. Erstaunlich ist aber auch, wie viele Vereine diese Zeit nutzten, um im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes eigene Sportanlagen zu errichten oder zu verbessern. Solches geschah in Flittard, Bergisch Gladbach (insgesamt wurden 50.000 Stunden gearbeitet und 10.800 cbm Erde bewegt). Seitens des Turnerkreises Nippes, in Refrath (unwegsames Gelände wurde zu einem Sportplatz ... durch die Erwerbslosen ... in 14 Monatiger Bauzeit, ... bei 2.800 Tagewerken), Roland West, Dellbrück, Hoffnungsthal und Forsbach. Die Gauturntage des Kölner Turngaues 1929, 1930, 1931, 1932 und 1933 beschäftigten sich mit diesem - vor allem in seinen politischen Auswirkungen - immer gewichtiger, bedrohlicher werdenden Problem. Beiträge wurden herabgesetzt, Gausteuern erlassen, Kurse für Erwerbslose - ohne Rücksicht auf Vereinszugehörigkeit - eingerichtet. Eine der Hauptaufgaben der 1931 eingerichteten Gaugeschäftsstelle war es, in dieser Hinsicht gemachte Erfahrungen zu sammeln, auszuwerten, die Vereine entsprechend zu beraten, Vorschläge zu machen, ... nach „Möglichkeit“ zu helfen ...

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