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1933 - 1945: Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg

Allgemeines

Machtübernahme. Umschwung. Gleichschaltung. Verbot aller entgegenstehender Institutionen .... Dieses und vieles Andere mehr ... kennzeichnen den Anfang des Jahres 1933, die Übernahme der Herrschaft durch die NSDAP ..., mit dem 2. Weltkrieg als grausamen Abschluss ...

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1. Gleichschaltung auch im Sport

Gleichgeschaltet wurde selbstverständlich auch die Turn- und Sportbewegung. Die Dachorganisation der Deutschen Turn- und Sportbewegung, der Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen (DRA, 1919-1933), wurde aufgelöst.

Konstituiert wurde dafür der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen (DRL), der Ende 1938 zum NSRL, zu einer sogenannten - betreuten Organisation - wurde. Der Arbeiter- Turn- und Sportbund und die konfessionellen Sportverbände, wie die DJK und das Eichekreuz, wurden verboten. Die bestehenden übrigen Verbände, wie der DFB, der DLV usw. wurden in Fachämter des DRL überführt.

Die Deutsche Turnerschaft (DT): Zur „75 Jahrfeier“ der DT, 1935 in Coburg, wurde im Rahmen eines - „Begräbnisses erster Klasse“ - die DT von einem Vielseitigkeits- zu einem reinen Fachverband, zu einer Spezial-Organisation, zu einem Fachamt für Turnen (= Gerätturnen), Gymnastik und Turnspiele. Fechten, Schwimmen, Handball usw., kurz alles, was Turnvereine und Turnverbände bis dahin sonst noch betrieben und betreuten, gehörte nicht mehr zu den Aufgaben der „Turner“ .... Hier nur einige Hinweise auf das, was - damals - der Turnbewegung genommen wurde. Innerhalb der DT gab es zuletzt: 307.916 Schwimmer, 10.001 Fechter, 20.133 Wasserfahrer (d.h. Ruderer, Kanufahrer, usw.), 92.599 Skiläufer, 536.120 Wanderer und 312.410 Spieler (neben Faustball usw. auch 12.273 Handballmannschaften, 5.317 Fußballmannschaften und 298 Hockeymannschaften).

2. Die neue Struktur wurde verbindlich für alle Ebenen

Die Turnkreise und Gaue, also der Turnkreis VIII b Rheinland sowie der Turngau Köln wurden aufgelöst, überführt in die neuen Organisationsformen. Die Regierungsbezirke Köln und Aachen, die zum Turnkreis VIII b gehört hatten, wurden dem neuen Reichsbundgau XI / Mittelrhein zugeschlagen, der räumlich die 4 Regierungsbezirke Koblenz, Trier, Köln und Aachen umfasste. Der andere Teil des bisherigen Turnkreisbereiches VIII b - der Regierungsbezirk Düsseldorf - wurde zum Reichsbundgau X / Niederrhein. Die - Turnerei - wurde in beiden Reichsbundgauen - wie im Reich - zum Fachamt I.

Unser Bereich gliederte sich wie folgt

Der Reichsbundgau XI / Mittelrhein gliederte sich in 3 Bezirke: Bezirk 1 Köln, 2 Koblenz, 3 Trier. Der Bezirk 1 Köln teilte sich wieder unter in 1. den Stadt- und Landkreis Köln, 2. den Oberbergischen Kreis nebst einem Teil des Rheinisch-Bergischen-Kreises, 3. den Siegkreis und Teile des Siegerlandes sowie 4. Bonn, Euskirchen, Köln selbst wiederum wurde eine Ortsgruppe.

3. Änderungen auf der Vereinsebene

Auch hier wurde gleichgeschaltet. An Stelle des gewählten Vereinsvorsitzenden trat der Vereinsführer. Ähnlich verhielt es sich mit dem Vorstand. Wo nur möglich, wurde auf den Zusammenschluss zu Großvereinen gedrängt. Deshalb gab es auch so viele Fusionen in dieser Zeit. „Im Schatten“ der Berliner Olympischen Spiele wurde den Vereinen ihre Jugend genommen und in die HJ überführt.

Viele Mitglieder der verbotenen Arbeiter- und konfessionellen Turn- und Sportvereine fanden allerorts, einzeln, aber auch - gar nicht so selten - sogar in Gruppen Unterschlupf in anderen Vereinen. Von diesen befohlenen organisatorischen Änderungen abgesehen, blieb die Basis, blieben die Vereine - in ihrem Kern - von der Machtübernahme - fast - unberührt .... Gauvorstände, Gauturntage gab es nicht mehr. „Gau“-Feste wurden anfangs noch durchgeführt in Hürth, Dellbrück und Bergisch Gladbach .... Immer mehr standen oder blieben alte - Turner - verantwortlich in den übergeordneten Fachämtern tätig .... So wurde - ein Beispiel - Christian Ernst Vogt, der Kreisfachwart für Turnen war, schließlich, mit Beginn des Krieges, auch Gaufachwart, also - turnerisch - verantwortlich für den ganzen, oben umschriebenen Gaubereich.

4. Der 2. Weltkrieg

Die folgenden Daten zeigen eine Linie:

01.03.1935 „Anschluss des Saargebietes an das Reich“. 07.03.1936 Militärische Besetzung der Rheinlandzone durch Deutsche Soldaten und Bau des Westwalles. 18.03.1938 die Ostmark „heimgeholt“, 29.09.1938 ebenso das Sudetenland. 01.09.1939 Einmarsch in Polen .... Die Folge: Jeder Wehrfähige wurde eingezogen. Ein Beispiel: Gleich im September 1939 wurden rund 200 Mitglieder des TV Mülheim einberufen .... 1.122 Fliegeralarme wurden in Köln gezählt ... Dazu rechnen 262 Fliegerangriffe, von denen 50 - sehr schwer waren ... 20.000 Tote und 30 Mio. Kubikmeter Trümmer waren das - Ergebnis - .... Anders als im 1. Weltkrieg wurde jetzt - wo und solange nur möglich - der Turnbetrieb aufrechterhalten. Neben den Alten standen jetzt sehr zahlreich, aktiv und stark die Frauen. Im TV Ehrenfeld hielten Frau Wallpott und eine Mitarbeiterin den Turnbetrieb aufrecht .... Größere Frauenveranstaltungen fanden sogar statt, so z.B. im Februar 1942 im Kölner Schauspielhaus eine unter dem Motto „Rhythmus und Schwung“ oder im April 1943 eine andere - „im Rahmen der 100 Jahrfeier der KT“ - im Ufa-Palast „Kraft und Anmut“ .... besonders lange wurden die Spiele gepflegt. Z.B. der TV Dellbrück, die Turn- und Fecht Gde. Nippes oder der Post SV führten noch bis 1943 einen einigermaßen passablen Vereinsbetrieb durch“ die TVe Königsdorf, Bensberg und Urbach sogar bis in - die letzte Zeit - .... Schließlich war - was man nicht übersehen möge - unser Bereich selbst Kriegsschauplatz, nicht nur mit Fliegeralarmen und - Angriffen, sondern ... mit direktem Feindbeschuss. Längere Zeit nämlich war - wie es beispielsweise die Festschrift des Deutzer TV sagt - der Rhein „HKL“, ... Front ... —- Und das Ende? Die Zahl der Angriffe und das Ausmaß der Trümmer wurden bereits genannt. In Köln, das vor dem Kriege 850.000 Einwohner hatte, wohnten zum Schluss nur mehr 50.000. Die anderen waren - evakuiert -. Von 116 Turnhallen, die es in Köln vor dem Kriege gab - waren zum Schluss - bis auf 3 - alle zerstört.

Anders als in früheren Festschriften, werden in neueren die Gefallenenziffern nur hier und da genannt. Flittard nennt 10, Herkenrath 21, Dünnwald 31, Immekeppel 29, Königsdorf 15, Turn- und Fecht Nippes 29, Turnerkreis Nippes 15, Sürth 19, Urbach 11, Wahn 26, Poll 10, Germania Rath-Heumar 12, Refrath 28, Kölner Turnerbund 18, Bensberg 22, TuS Leverkusen, die von ihrer Gründung bis 1933 zu uns gehört hatten, 110 ... Alles Menschen ... wie du und ich ...

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